Familie & Kinder

Unterhaltsvorschuss beantragen: Unterlagen und Ablauf

Von Christelle N. · Aktualisiert am 10.07.2026 · 7 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Antrag bei der Unterhaltsvorschusskasse des Jugendamts – schriftlich, oft auch online.
  • Wichtigste Unterlagen: Geburtsurkunde, Nachweis des Zusammenlebens, Angaben zum anderen Elternteil.
  • Gezahlt wird ab dem Antragsmonat (rückwirkend höchstens einen Monat) – nicht warten!
  • Sie müssen bei Vaterschaftsfeststellung und Rückgriff mitwirken.

Schritt 1: Zuständige Stelle finden

Zuständig ist die Unterhaltsvorschusskasse beim Jugendamt Ihres Wohnorts (Stadt- oder Kreisverwaltung). Viele Kommunen bieten den Antrag online an – eine Suche nach „Unterhaltsvorschuss beantragen + [Ihre Stadt]” führt meist direkt zum Formular.

Tipp Fristwahrung: Da rückwirkend höchstens ein Monat gezahlt wird, können Sie den Anspruch mit einem formlosen Schreiben sichern („Hiermit beantrage ich Unterhaltsvorschuss für mein Kind [Name, Geburtsdatum]”) und die Unterlagen nachreichen.

Schritt 2: Unterlagen zusammenstellen

Üblicherweise verlangt das Jugendamt:

  • Geburtsurkunde des Kindes
  • Ihren Personalausweis
  • Meldebescheinigung oder Nachweis, dass das Kind bei Ihnen lebt
  • Nachweis des Familienstands (z. B. Scheidungsbeschluss, Getrenntlebenderklärung)
  • Angaben zum anderen Elternteil: Name, Anschrift (soweit bekannt), Einkommensverhältnisse (soweit bekannt)
  • Nachweise über bisherige Unterhaltszahlungen (Kontoauszüge) oder deren Ausbleiben
  • ggf. vorhandene Unterhaltstitel (Jugendamtsurkunde, Urteil, Beschluss)
  • Nachweis über eigene Einkünfte des Kindes (z. B. Halbwaisenrente), falls vorhanden
  • bei Kindern ab 12 Jahren: Nachweis, dass Ihr Kind nicht auf Bürgergeld angewiesen ist, oder Nachweis Ihres eigenen Einkommens von mindestens 600 € brutto monatlich zusätzlich zum Bürgergeld-Bezug (Zusatzvoraussetzung nach § 1 Abs. 1a UhVorschG)

Die genaue Liste variiert leicht je nach Kommune – das Antragsformular führt Sie durch.

Schritt 3: Antrag ausfüllen und einreichen

Füllen Sie den Antrag vollständig aus – gerade die Angaben zum anderen Elternteil sind wichtig, denn sie ermöglichen der Kasse den Rückgriff. Unvollständige Angaben sind der häufigste Grund für Verzögerungen.

Einreichen können Sie je nach Kommune online, per Post oder persönlich. Lassen Sie sich den Eingang bestätigen oder heben Sie den Sendenachweis auf.

Schritt 4: Mitwirkung während des Bezugs

Mit dem Antrag übernehmen Sie Mitwirkungspflichten:

  • Vaterschaftsfeststellung: Ist der Vater nicht festgestellt, müssen Sie an der Feststellung mitwirken, soweit zumutbar.
  • Auskünfte: Änderungen (Zusammenziehen mit dem anderen Elternteil, Heirat, Umzug, plötzliche Unterhaltszahlungen, eigene Einkünfte des Kindes) müssen Sie unverzüglich melden – sonst drohen Rückforderungen.
  • Rückgriff unterstützen: Neue Erkenntnisse über Aufenthaltsort oder Arbeitgeber des anderen Elternteils weitergeben.

Wenn der Antrag abgelehnt wird

Gegen einen Ablehnungsbescheid können Sie innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen. Häufige Ablehnungsgründe und was Sie tun können:

  • „Fehlende Mitwirkung” bei unbekanntem Vater: Legen Sie dar, welche Schritte Sie bereits unternommen haben. Die Zumutbarkeit der Mitwirkung wird von der Rechtsprechung im Einzelfall geprüft – anerkannt ist etwa, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen oder eine persönliche Bedrohungslage die Mitwirkung einschränken können. Eine feste gesetzliche Ausnahmeliste gibt es dafür nicht. Wenden Sie sich in einer belastenden Situation zusätzlich an eine Fachberatungsstelle oder an das Jugendamt, das eine Beistandschaft einrichten kann.
  • „Kein alleinerziehend”: Entscheidend ist das tatsächliche Zusammenleben, nicht das Sorgerecht.
  • Teilzahlungen des anderen Elternteils: Prüfen Sie, ob ein ergänzender Vorschuss möglich ist.

Verbindung zu weiteren Themen

Grundlagen im Beitrag Unterhaltsvorschuss: Anspruch für Alleinerziehende. Ebenfalls relevant: Düsseldorfer Tabelle (voller Unterhaltsanspruch), Vaterschaftsanerkennung, Kinderzuschlag (Achtung: UVG wird dort angerechnet) und Entlastungsbetrag für Alleinerziehende.

Quellen

  • Unterhaltsvorschussgesetz (UhVorschG)
  • BMBFSFJ – Familienportal: Unterhaltsvorschuss
  • Merkblatt zum Unterhaltsvorschussgesetz (BMBFSFJ)

Zuletzt aktualisiert am 10.07.2026. Verbindlich ist die Auskunft Ihrer Unterhaltsvorschusskasse.

Häufige Fragen

Wo stelle ich den Antrag?
Bei der Unterhaltsvorschusskasse des Jugendamts Ihres Wohnorts. Viele Kommunen bieten den Antrag inzwischen auch online an – suchen Sie nach 'Unterhaltsvorschuss + Ihre Stadt'.
Wie lange dauert die Bearbeitung?
Je nach Auslastung des Jugendamts einige Wochen bis mehrere Monate – im Durchschnitt 6 bis 8 Wochen. Da ab dem Antragsmonat gezahlt wird, sichert eine frühzeitige – notfalls formlose – Antragstellung Ihren Anspruch.
Was ist, wenn der Vater unbekannt ist?
Dann besteht der Anspruch grundsätzlich trotzdem – Sie müssen aber bei der Feststellung der Vaterschaft mitwirken, soweit Ihnen das zumutbar ist. Verweigern Sie die Mitwirkung ohne Grund, kann die Leistung abgelehnt werden.
Kann ich Unterhaltsvorschuss auch bei Teilzahlungen bekommen?
Ja. Zahlt der andere Elternteil unregelmäßig oder weniger als den Mindestunterhalt, kann ergänzender Unterhaltsvorschuss gezahlt werden – die Teilzahlungen werden angerechnet.